Paukenschlag im Jugend-Tennis! TC Bad Soden-Salmünster, TC BW Birstein und TC RW Wächtersbach bündeln ihre Kräfte!
Während der TC BW Birstein bislang selbständig und durchaus erfolgreich seine Jugendarbeit betrieb, gingen der TC Bad Soden-Salmünster und der TC RW Wächtersbach seit mehreren Jahren einen anderen Weg. Gemeinsam mit dem TC Bad Orb betrieben die beiden Vereine eine Mannschaftsspielgemeinschaft (MSG), die ebenfalls durch sportliche Erfolge glänzen konnte.
Nach intensiven Gesprächen zwischen den Verantwortlichen haben sich die drei Vereine darauf verständigt, ihre Kräfte ab sofort in einer "MSG Tennis Kinzigtal" zu bündeln und somit im östlichen Tennisbezirk Offenbach ein Schwergewicht im Jugendtennis zu bilden.
Über die Motive und Auswirkungen dieses Zusammenschlusses standen die drei Vereinsvorsitzenden Ursula Werner (TC RW Wächtersbach), Dr. Harald Bruening (TC Bad Soden-Salmünster) und Manfred Schlums (TC BW Birstein) Rede und Antwort.
Dr. Bruening, seit mehreren Jahren hat bereits eine Spielgemeinschaft zwischen den Tennisvereinen Bad Orb, Bad Soden-Salmünster und Wächtersbach bestanden. Was hat aus Ihrer Sicht zum Rückzug des TC Bad Orb aus dieser MSG geführt.
Dr. Bruening: Die Zusammenarbeit hat sich am Ende dahingehend schwierig gestaltet, das nur noch wenige Jugendliche aus Bad Orb in den Mannschaften der MSG gespielt haben. Außerdem gab es unterschiedliche Vorstellungen hinsichtlich einer längerfristigen Trainingskonzeption.
Frau Werner, wie beurteilen Sie den bisherigen Erfolg der Zusammenarbeit innerhalb der MSG aus Sicht des TC RW Wächtersbach?
U. Werner: Der Tennissport an sich aber auch die verschiedenen Vereine – und damit meine ich nicht nur die Tennisvereine im engeren Umkreis - konkurrieren heute mit einer Vielzahl von Freizeitangeboten. Um besonders die Jugendlichen zu interessieren, müssen die Vereine mehr bieten als nur Tennistraining und gelegentliche Wettkämpfe.
Das kann in der heutigen Zeit ein Verein allein auf ehrenamtlicher Basis kaum noch im notwendigen Umfang leisten; hier bietet sich die Zusammenarbeit an.
Die Jugendarbeit des TC BW Birstein hat in den letzten Jahren besonders im sportlichen Bereich den Tennisbezirk Offenbach aufhorchen lassen; was hat den TC BW Birstein bewogen, die Zusammenarbeit mit den Nachbarvereinen in Form der MSG Tennis Kinzigtal zu suchen?
M. Schlums: In der Tat waren wir in den letzten Jahren mit Vize-Hessenmeisterschaften im Einzel (Fabian Neff) und in der Mannschaft U 11 überaus erfolgreich. Aber man darf nicht nur diesen Leistungsschub in der Spitze sehen; uns liegt mit gleicher Priorität die Förderung aller unserer tennisspielenden Kinder am Herzen.
Hier kann ein kleiner Verein nur profitieren, wenn für jedes Kind die richtige Mannschaft gem. Spielstärke und Alter bieten kann; das wäre ohne die MSG nicht möglich gewesen.
Welche Vorteile verspricht sich der TC Bad Soden-Salmünster von der Zusammenarbeit in der neuen Konstellation?
Dr. Bruening: Es geht hier nicht vorrangig um die Vorteile einzelner Vereine. Wir müssen endlich mal über die Vereingrenzen hinaus in die Zukunft schauen, sonst wird der Tennissport gegenüber anderen Angeboten ins Hintertreffen geraten.
Schon immer haben gut ausgebildete Spieler Vereine verlassen um in anderen Vereinen in besseren Spielklassen zu spielen. Gelingt es aber der MSG diese Spielklassen selbst zu kreieren, werden besonders die spielstarken Jugendlichen sich künftig einen Wechsel genau überlegen; hier wollen wir ansetzen.
Der TC RW Wächtersbach zählt seit Jahren zu den etablierten Vereinen im Main-Kinzig-Kreis; gibt der Verein mit der MSG nicht einen Teil seiner Identität auf?
U. Werner: Sicher gibt es immer Skeptiker, die genau das so sehen. Aber was nützt es den Vereinen, wenn sie die besseren Spieler verlieren und oder das Angebot nicht mehr so attraktiv gestaltet werden kann, dass sich Jugendliche für den Tennissport entscheiden? Ein strukturiertes Nachwuchskonzept - wie es die MSG bietet - ist für jeden teilnehmenden Verein von Vorteil, denn es bietet durch verschiedene Trainer eine gute Ausbildung und durch den großen Pool an Spielern auch bessere Spielmöglichkeiten im Wettspielbetrieb.
Welche Ziele hat sich die MSG für die nächste Zeit gesetzt?
M. Schlums: Die Verantwortlichen sich auf ein Konzept mit 4 Säulen geeinigt.
Die 1. Säule gilt dem sog. Breitensport, d.h. wir wollen allen Kindern so früh als möglich die Gelegenheit geben, ihren Fertigkeiten entsprechend in einer Mannschaft Tennis zu spielen.
Die 2. Säule widmet sich dem Übergang der Jugendlichen in den Aktivenbereich bei den Erwachsenen. Hier sollen alle möglichst frühzeitig in die aktiven Mannschaften der Vereine eingebunden werden, um die Kinder nicht zu verlieren.
Die 3. Säule sieht vor, sich schon in den Jugendmannschaften auf Landesebene mit den großen Vereinen zu messen, denn nur dann kann ein Niveau erreicht werden, welches auch für Spieler aus anderen Vereinen attraktiv ist.
Last not least die 4. Säule; wir möchten gemeinsam auch Aktivitäten am Rande aber außerhalb des Tennissports fördern, wie z.B. Trainingslager aber auch Besuche von kulturellen Veranstaltungen usw. um den Kindern und Jugendlichen ein attraktives Umfeld zu bieten.
Diese Ziele hören sich ja ausgesprochen ehrgeizig an, wie kann denn das alles finanziert werden?
Dr. Bruening: Selbstverständlich müssen wir uns hier im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten der Vereine bewegen, da bin ich mit meinen Kollegen sicher einer Meinung. Allerdings stellen wir uns schon vor, hier über die Unterstützung der Eltern und sportorientierten Verbände hinaus über die Einrichtung eines „Sponsorenpool“ zusätzliche finanzielle Möglichkeiten zu schaffen. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, interessierte Firmen schon jetzt auf diese Möglichkeit hinzuweisen, sprechen Sie mich oder meine Kollegen an.
Alle diese Aufgaben erfordern doch ein hohes Maß an Engagement und zeitlichen Aufwand; ist denn das noch leistbar?
U. Werner: Hier sprechen Sie einen entscheidenden Punkt an. Natürlich geht das nur mit Unterstützung der Eltern und der Vereinsvertreter. Schon die Vorbereitung auf die Punktspiele hat uns durch die Vielzahl der Mannschaften vor verschiedene Herausforderungen gestellt.
Aber wir machen das alle gern für die Kinder und Jugendlichen, wobei wir die Unterstützung der „Älteren“ ganz bewusst einfordern; dabei legen wir Wert darauf, dass die Teilnahme auch gewisse Verpflichtungen nach sich zieht. Im übrigen gibt es in jedem Verein eine Vielzahl von Helfern ohne Amt, die uns unter die Arme greifen und mithelfen. Wir sind für jeden offen, der sich hier einbringen möchte.
Wird dieser neue Ansatz nicht von den anderen Vereinen kritisch beäugt?
M. Schlums: Bisher haben wir noch keine negativen Resonanzen aufnehmen können. Vielleicht kann auf diesem Wege auch klargestellt werden, dass die MSG Tennis Kinzigtal keine geschlossene Veranstaltung sein soll. Die Vereine sind immer offen für Zusammenarbeit jeglicher Art. Dieser Zusammenschluss hat nicht zuletzt auch räumliche Gründe, da die Fahrzeiten der Kinder und Jugendlichen zwischen den Anlagen nicht zu lang sind.
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